Ein Reisebericht aus der Zeitschrift "Das Ausland." Ein Tagblatt für Kunde des geistigen und sittlichen Lebens der Völker. München, J.G. Cotta´sche Buchhandlung, Nummer 277 und 278, 4. und 5.Oktober 1829
Die neapolitanischen Provinzen Basilicata und Calabria citeriore gehören zu den am Wenigsten bekannten Gegenden Italiens, indem sie wegen des gänzlichen Mangels an fahrbaren Straßen von Reisenden beinahe gar nicht besucht werden; um so willkommener muß daher dem Naturforscher, so wie dem Geographen das vor zwei Jahren erschienene Werk von drei neapolitanischen Geistlichen seyn, welche im Jahre 1826 eine wissenschaftliche Reise in jene Landschaften unternahmen und die Resultate ihrer Expedition unter dem bescheidenen Titel: Viaggio in alcuni luoghi della Basilicata e della Calabria citeriore, effetuato nel 1826 da L. Petegna, G. Terrone e M. Tenore (Napoli, 1827, 8) bekannt machten.
Diese Herren begannen ihre Reise von Neapel aus, indem sie die prächtige Consularstraße von Portici einschlugen. Von hier gelangten sie zu der Torre dell`Annunciata, wo der Vesuv ein so herrliches Schauspiel bietet, und wo sie viele Manufacturen fanden, worunter eine Gewehrfabrik und die Gießerei, in welcher die schönen Statuen gegossen werden, welche die neue Kirche des heiligen Franziscus von Paola schmücken sollen. Von Torre dell`Annunciata kamen sie nach Salerno, der Hauptstadt des Füstenthum`s Salerno und einst der normannischen Herrschaft in Unteritalien; von hier nach Eboli und Auletta, wo die Straße immer mehr den Reiz zu verlieren anfängt, den sie bisher in den lachenden Gefilden um die Hauptstadt Salerno gehabt hatte. Dagegen bot das Thal von Diano, unfern von Auletta, dem Botaniker eine reiche Ernte, in Asphodelus ereticus, salvia Tenorii, anchusa italica, onopordon illyricum und campanula fragilis glabra und hirsuta. Lagonero, wohin die Straße von Auletta führte, ist der Hauptort eines großen, aber wenig angebauten Districtes. Nur der Wein, den schon Plinius rühmt, ist vortrefflich.
Von Lagonero ging es über die Berge nach Lauria und Bosio, wo der Lathyrus alatus Ten. als Futterkraut angebaut wird. In der Nachbarschaft sieht man auch arundo festucoides und hedysarum coronarium, die auf dem Thonboden Calabriens in Ueberfluß vorhanden sind. Von Lauria aus geht die Straße durch lachende und wohlangebaute Felder und fruchtbare Weingärten; auf den benachbarten Bergen fanden die Reisenden die ononis oligophylla und papilio urtica. Auf dem Wege, der nach Castellucio führt, sieht man das alte Laus, wo unter anderen weniger berühmten Städten einst Lavinium, jetzt Laino und Thebe Lucana blühten, von denen man noch auf den Feldern zerstreute Ruinen und andere Ueberreste bemerkt.
Von Rotonda bis Rubbia und Pollino ist die Landschaft eine ausgedehnte wohlangebaute Ebene, die von den Bewohnern mit vielem Fleiße bewässert wird. Hier wurde geranium pyrenaicum, ranunculus bruttius, aconitum pyrenaicum gesammelt; auch begegnete der Scarabeus cylindricus, den man bisher nirgend in Europa außer in den nördlichsten Wäldern Schwedens gesehen hatte. Unter den Bergen, welche diese Hochebene umgeben, sind die bedeutendsten la Coppola di Parla, der Berg von Pollino und der Crispo, alle reich an seltenen Alpenpflanzen, wie rumex alpinus, phleum alpinum, plantago bruttia, und viele anderen, von denen wir nur crocus vernus neapolitanus und crocus imperialis nennen wollen, welche von den Botanikern bisher als das ausschließliche Eigenthum von zwei völlig verschiedenen Gegenden betrachtet wurden.
Von Dolendorme, welches eine der Höhen dieses Gebirgs ist, bis Castrovillari, einem kleinen, aber volkreichen Dorf auf einer Höhe, von welcher man ganz Calabrien von Cassano bis zum ionischen Meere übersieht, wechseln die pittoreskesten Landschaften. Von Castrovillar führt eine bequeme Straße nach Tarsia und von da längs der Küste nach Cosenza. Diese Stadt ist die Hauptstadt von Calabria citeriore und liegt am Fuße der Apeninnen mitten in einer fruchtbaren Ebene, die sich jedoch nicht weit vom Meere entfernt. In der Nähe von Cosenza sind viele Fabriken von Reglissensaft, in denen viele Tausend Menschen ihre Nahrung finden. Merkwürdig ist auch ein Futterkraut, die sulla, die auf dem Thonboden von Calabrien wild wächst und, da sie keiner besondern Pflege bedarf und auf den unfruchtbarsten Feldern fortkommt, vielleicht manchem Landwirthe zu empfehlen wäre. Von Cosenza wandten sich die Reisenden nach dem Monte Cucuzzo, und nachdem sie hier einige Zeit verweilt hatten, schlugen sie den Rückweg nach Neapel ein.
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